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Wacholder

Der Kranewitten
ist der germanische Lebensbaum und der Frigga heilig. Da sie auch die oberste der Nornen ist, wurde unter dem Wacholder um Nachwuchs gebeten und Verstorbene konnten ins Leben zurückgerufen werden. Er wurde schon in der Steinzeit zu kulturellen Zwecken geräuchert, um krankmachende Dämonen zu vertreiben und im Mittelalter brannten in den Städten während der Pest gigantische Wacholderfeuer. Bis in unser Jahrhundert wurde der Wacholder wegen seiner desinfizierenden und heilenden Wirkung in Krankenzimmern verräuchert, um Räume und Menschen mit neuer Lebensenergie aufzuladen. Daher wird er auch in den Rauhnächten vor Jul in allen Räumen des Hauses geräuchert. Kranewitten heißt der Wacholder nach dem Krommelvogel, der die Beeren besonders gerne naschte. So heißt im Mittelhochdeutschen die Wacholderdrossel. Der Wacholder war so beliebt, daß er inzwischen unter Naturschutz steht, nur die Beeren dürfen gesammelt werden. Doch dafür läßt sich der Kranewitten Zeit, erst nach 2 Jahren sind sie reif. Um jetzt bei der Ernte den spitzen Nadeln zu entgehen, legt man einfach Tücher unter den Baum und klopft die Beeren ab, dann braucht man sie nur noch einzusammeln. In Grippezeiten jeden Tag eine Beere gekaut, schützt vor Ansteckung. Bei Lungenkrankheiten, Bronchitis und Erkältung hilft auch eine Inhalation des äth. Öles. Allgemein bekannt ist der Wacholder als Ableitungsmittel schädlicher Stoffe aus der Niere. Allerdings ist die Anregung so stark, daß eine Wacholderkur nur Menschen mit gesunden Nieren zu empfehlen ist, Nierenkranke und Schwangere sollten den Wacholder meiden. Einen wassertreibenden Tee mischt man zu gleichen Teilen aus Wacholderbeeren, Liebstöckelwurzel, Süßholzwurzel und Heuhechelwurzel und gibt dieser Mischung 2 TL auf ¼ l kochendes Wasser und läßt den Tee 10 min ziehen und seiht dann ab. Täglich sollten 1-2 Tassen getrunken werden. Pfarrer Kneipp empfiehlt Magenkranken diese Kur: Am 1. Tag kaut man 5 Beeren und jeden Tag eine Beere mehr bis man bei 15 Beeren angelangt ist und nimmt dann wieder jeden Tag eine Beere weniger bis man wieder bei 5 ist. Die Beeren wirken anregend auf die Darmfunktion und steigern den Appetit. Man kann auch einen guten Magenbitter ansetzen aus: 2 Teilen Wacholderbeeren, 2 Teile Angelikawurzel, 2 Teile ungespritzte Orangenschale, 1 Teil Kalmus und 1 Teil Enzianwurzel. Eine Weithalsflasche wird dann zur Hälfte mit dieser Mischung gefüllt, dann mit 70 %igen Alkohol aufgefüllt und 4 Wochen an einem warmen Ort stehen gelassen. Abgeseiht und in eine Tropfflasche gefüllt, nimmt man 20-30 Tropfen vor dem Essen. In der Küche sind die Beeren ein beliebtes Gewürz für Sauerkraut, Fleisch- und Fischgerichte. Als Richtzahl kann man 3 ganze bzw. 2 zerdrückte Beeren pro Person ansehen. Hier noch eine Ansatzmischung für einen aromatischen Kräuteressig oder Salatöl: 3 EL Wacholderbeeren, 2 Knoblauchzehen, 1 TL Thymian, 2 TL Estragon, 1 TL Salbei, 1 Holunderblütendolde, 5 Gewürznelken und 4 Lorbeerblätter. Je nach Wunsch kann man das Ganze dann mit einem Liter Öl oder Essig übergießen und 4 Wochen ziehen lassen und dann abseihen.