zurück zur Kiste

Tausendgüldenkraut

Diese Pflanze wird schon von Plinius und Dioskurides erwähnt. Der Sage nach heilte der Centaure Chiron seine Wunden mit dem Kraut. Die in alten Kräuterbüchern stark betonte Verwendung als innerlich und äußerlich blutstillendes Mittel weist auf einen Zusammenhang der roten Blütenfarbe mit der Signaturenlehre des paracelsus hin. Wie viele andere rotblühende Pflanzen galt auch das Tausendgüldenkraut, das angeblich zerschnittenen Fleischstücke im Kochtopf wieder zusammenwachsen läßt, im Volksglauben als antidämonisches Mittel. Mit Bibernell, Tormentill und anderen Kräutern soll es zu Pestzeiten durch einen Vogel als Universalheilmittel der leidenden Menschheit verkündet worden sein.
Diese Pflanze besitzt die Eigentümlichkeit, ihre Blüten nur im Sonnenschein zu öffnen, sie liebt also ganz besonders die himmlische Sonne, die Erhalterin alles Irdischen. Sie enthält einen bitteren Stoff, das Centaurin (man denke an den Centaure Chiron!), der magenstärkend wirkt, was schon den Alten bekannt war. Der Saft der frischen Pflanze wird gern zu einer Frühjahrskur (mit dem Saft des Löwenzahns gemischt) gebraucht gegen Verschleimungen, Unterleibsstockungen und Leiden der Leber und Gallenwege. Man genießt diesen Saft unter Fleischbrühe, 2-4 Löffel auf eine größere Tasse und setzt diese Kur mehrere Wochen fort. Im übrigen wendet man Tausendgüldenkraut als Tee oder Tinktur an zur Blutreinigung oder bei Schlaffheit der Verdauungsorgane, Leberleiden und Hämorrhoiden. Die Tausendgüldenkrauttinktur dient gegen Verschleimung der Brust und des Magens, Leberverhärtung, allgemeine Verdauungsschwäche und Asthma der Leberleidenden. Man nimmt davon täglich 3-4 mal 10 Tropfen. Einen Tee aus dem getrockneten Kraute bereitet man folgenderweise: Man nimmt 10 g vom geschnittenen Kraute auf 100 g Wasser. Man gießt das kochende Wasser auf das Kraut und läßt noch einmal über dem Feuer aufwallen. Es werden täglich 3-4 Tassen getrunken. Bei empfindlichen Personen darf man nur etwa 5 g des Krautes auf eine Tasse Tee nehmen, da das Mittel sonst Übelkeit erzeugt. Der Tee eignet sich auch bei nervöser Erschöpfung, über die sich Menschen, die körperlich und seelisch überbelasteten sind - z.B. berufstätige Hausfrauen und Mütter - sehr häufig beklagen. Und Patienten mit Gallensteinen können ihre unruhige Galle damit beruhigen und Koliken vorbeugen. Unter dem Namen Fieberkraut verwendet man neuerdings die Heilpflanze als Mittel gegen Migräne. Ein gutes Mittel, um den Appetit anzuregen, die Verdauung zu fördern und die Galle zu beruhigen, ist der Tausendgüldenwein, von dem man vor den Mahlzeiten 1 Glas voll trinkt. Dafür werden jeweils 30 g Tausendgüldenkraut und Pfefferminze mit einer ganzen unbehandelten, zerschnittenen Zitrone auf 1 Liter leichten Moselwein angesetzt und nach 10 Tagen abgeseiht.