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Rosmarin

Über die Entstehung des Rosmarinstrauches gibt es eine griechische Sage. Leukothoe, die Tochter des persischen Königs Orchamos, ließ sich von Helios "missbrauchen", weshalb ihr zürnender Vater sie tötete, indem er sie lebend in ein Grab einschloß. Aus diesem erwuchs durch die Macht des Sonnengottes ein Rosmarinstrauch, schön grünend und duftend. Später trugen die Studenten im antiken Griechenland Romarinkränze während des Examens auf ihren Häuptern. Der Rosmarin spielte bei vielen wichtigen Ereignissen eine Rolle, er wurde bei Geburt, Hochzeit und Tod verwendet. Er galt früher seines starken Duftes wegen als besonders wirksam gegen jeden Zauber und wurde deshalb von den Taufpaten dem Kind in die Wiege gelegt.
In Belgien gilt der Rosmarin als Symbol des Lebens; hier bringt nicht der Storch die Kinder zur Welt, sondern sie werden aus einem Rosmarinstrauch geholt.
Man schenkte sich Rosmarinzweige zum Abschied ("Und da ist Rosmarin, das ist für die Treue" läßt Shakespeare in Hamlet sagen) und eine Zeitlang war Rosmarin auch "Brautpflanze" (später durch die Myrthe abgelöst). Beim Tod schließlich legte man jedem Sarg ein Rosmarinsträußchen bei. Sargträger trugen als Schutz gegen ansteckende Krankheiten und en Tod immer ein Rosmarinsträußchen bei sich.
"Ich hab die Nacht geträumet, wohl einen schweren Traum. Es wuchs in meinem Garten ein Rosmarienbaum"; dieser alte Vers deutet auf den Aberglauben hin, daß ein Rosmarinstrauch eine düstere Todesahnung war. Es heißt aber auch, wenn man während des Schlafes seinen Duft atmet, dann bliebe man von bösen Träumen verschont.
Seine Triebe soll man drei Tage vor Vollmond ausbrechen, dann wird die Pflanze stärker und nadelreicher. In Ägypten war Rosmarin ein wichtiges Kraut für rituelle Räucherungen.
Rosmarin war unschätzbar als Waffe gegen schwarze Magie. Die Alchemisten versuchten damit ein "Allheilmittel", den "Pflanzenstein", herzustellen, den sie als Geschenk an die "guten Geister" empfahlen.
Rosmarin war im Mittelalter ein hochgeschätztes Küchenkraut. Noch heute gilt er in der Kochkunst Frankreichs und Italiens als unentbehrlich. Rosmarinblätter haben ein würzig-bitteres Aroma, das besonders gut mit Fleisch harmoniert. Die Italiener nehmen das Kraut auch zu gebratenem Fisch und würzen ihre Suppen und Soßen damit. Früher nahm man Rosmarin zum Bierbrauen und setzte ihn dem Wein zu.

aus "Zauberkräuter" der Staudengärtnerei Dieter Gaissmayer