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Liebstöckel

Ein "liebes Stöckel", in des Kräfte man viel Vertrauen setzte. Der Mensch, der etwas von der Pflanze bei sich trägt, wird von allen gern gesehen und ist gegen Unheil aller Art gefeit. Band man es z.B. am Himmelfahrtstag auf den Rücken, so bewahrte es denjenigen das ganze Jahr vor Kreuzschmerzen. Auf die Fußsohlen gestrichen, schreckte das Öl die Schlangen ab und schützte so vor deren Bissen. Grüne Eidechsen und Liebstöckel zu Asche verbrannt, sollten alle Schlösser öffnen helfen. Für die Haustiere wurde Liebstöckel in Brot eingebacken und dann z.B. an die Kühe verfüttert, als geheimes Schutzmittel gegen bösen Zauber. Stößigen Rindern rieb man die Hörner mit dem Kraut ein, und damit die Gänseeier gut ausgebrütet wurden, unterlegt man sie mit Liebstöckelzweigen.
Heute nutzt man den Liebstöckel nur noch als Gewürz oder zur Aromatisierung von Likören und bitteren Magenschnäpsen. "Macht einen guten Magen und vertreibt die Winde" schrieb schon zur Zeit Karls des Großen ein Koch, der diese Pflanze stets in seinem Garten zog. Frisches Kraut oder nur die frischen Blätter, kleingehackt Gemüsen oder Eintöpfen beigegeben, erhöhen Bekömmlichkeit und Wohlgeschmack dieser Speisen. Etwas Liebstöckelwurzel in Fleischbrühen, Fleischsaucen und Hackfleischgerichten mitgekocht, hebt und verstärkt den Fleischgeschmack. Doch auch in der Volksmedizin wurde die Wurzel gegen Magenbeschwerden durch Verdauungsschwäche, gegen Blasen- und Nierenleiden, gegen rheumatische und gichtige Schmerzen, gegen Menstruationsbeschwerden und auch gegen Migräne genutzt. Dazu bereitete man einen Tee wie folgt: 2 TL zerschnittenen Wurzel auf ¼l kaltes Wasser zum Sieden Bringen & gleich abseihen. 2 Tassen täglich reichen aus.