zurück zur Kiste

Haselwurz

Ist ein giftiges Osterluzeigewächs, das man eigentlich recht häufig in schattigen Buchenwäldern findet. Im Altertum gebrauchte man die Haselwurz gegen Wassersucht, Ischias, mangelhafte Menstruation und als Abführmittel. Die alten Griechen trugen einen Kranz oder Strauß davon als Berufkraut, um nicht durch Lob behext zu werden. Als Signaturpflanze verwendete man die wie ein Ohr aussehenden Blätter gegen Ohrenkrankheiten. Der Name Brechwurz, wie sie auch genannt wird, deutet auf eine Wirkung der giftigen Pflanze hin: früher gab man einem Trinker heimlich die frisch gepulverte Wurzel in den Wein oder Schnaps! Es entsteht Übelkeit und es kommt zum Erbrechen. Der Grad der Giftigkeit ist allerdings standortbedingt. Auch sollte beachtet werden, daß durch die entstehenden Reizwirkungen Magen und Darm, Galle, Leber und Niere geschädigt werden.
Die Römer brachten ihr Wissen um diese Droge über die Alpen. Sowohl im "Capitulare de villis" Karls des Großen und Ludwig des Frommen als auch in der "Physika" der Hildegard von Bingen und bei Albertus Magnus können wir über die Wirkung der Haselwurz nachlesen. Die späteren Kräuterbücher von Fuchs (Basel 1543), Matthiolus (Prag 1563) und alle folgenden nennen als Heilanzeige Wassersucht, Verstopfung, Husten, Kopfweh und Menstruationsbeschwerden. In einem Arzneibuch aus dem 17. Jahrhundert wird Haselwurz, unter das Kopfkissen gelegt, als Mittel gegen "das Reden im Schlaf" empfohlen. Als "Hexenrauch" wurden Haselwurzblätter bei Räucherungen gegen Viehkrankheiten und Verhexungen verwendet. Dazu mußte die Haselwurz in der "Dreisgenzeit" (Maria Himmelfahrt bis Maria Geburt) oder in der Fronleichnamsoktav gesammelt werden. Nach altem Volksglauben liegt in dieser Zeit ein besonderer Segen auf der Natur, deshalb war - und ist es heute noch - die große Zeit des Kräutersammelns. Außerdem vertreibt die Haselwurz alles Ungeziefer und bringt Segen; sie wird den Pferden unters Futter gemischt, daß sie sich reinigen und mutig werden, daß sie eine glatte haut bekommen oder fett werden. Mischt man die Haselwurz den Kühen ins Futter geben sie mehr Milch. Je drei "Nüsse" (Früchte) an drei Freitagen hintereinander den Kühen verfüttert bewirkt, daß die Milch gelbe Butter ergibt. Um ein Mittel gegen Rausch zu erhalten, kocht man eine ungerade Zahl von Blättern ab (3 oder 5). Will man eine Schwangerschaft verhindern, muß man eine weiße Haselwurz bei sich tragen, aber da stellt sich ein Problem: Unter tausend Wurzeln soll sich nur eine weiße finden!