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Eisenkraut

Im alten Ägypten nannte man die Pflanze "Träne der Iris" und verbrannte sie bei Feiern und Zeremonien. Verbena ist eines der vier heiligen Kräuter der Kelten, die es ebenfalls als Räucherpflanze nutzten. Der keltische Name Ferfain - "einen Stein wegbringen" verweist auf eine der ehemals vielfältigen Anwendungen, so in der Inneren Medizin. Von den Römern wurde sie bei Kriegs- und Friedensschlüssen mitgeführt. Später erlangte Verbena infolge ihrer Versöhnung herbeiführenden Wirkung quasi völkerrechtliche Bedeutung: Gesandte, die zwecks Friedensverhandlungen geschickt wurden, führten sie mit sich, oft trugen sie einen Kranz von Verbena auf dem Haupte und hießen deshalb "Verbenarii". Mit Eisenkraut wurde Jupiters Opfertisch gescheuert und die Häuser wurden gereinigt und eingesegnet. Wenn man sich damit salbte, dann sollte man alles erlangen können, was man wollte. Sogar die Gelage sollten fröhlicher werden, wenn man die Bänke mit Wasser besprenkte, in dem Wunschkraut war. Bei den Germanen hat die Pflanze den Namen Eisenkraut erhalten, wegen der angeblichen Eigenschaft, Eisen zu Stahl zu härten. Im Mittelalter wurde Eisenkraut für Besegnungen gebraucht, auch Geistliche verwendeten es beim Exorzismus. Martin Luther verurteilte dies: "Leute, die Eisenkraut an die Kinder binden, die sie zur Taufe bringen, schänden die heiligen Sakramente." Dieses Kraut gibt große Liebeskraft (es war auch "ein gut Kräutlein für unfriedsame Eheleute") und macht, als Amulett um den Hals getragen, den Träger bei allen Leuten beliebt. Die Kinder sollen durch den Genuß des Eisenkrautes einen "guten Verstand" und Neigung zum Lernen bekommen. Gibt man es einer Wöchnerin in's Bett, so wird weder ihr noch dem Kinde Schaden geschehen. Pferde liefen schneller, wenn "Isenkraut" an ihrem Schweife befestigt war. Die alten Sachsen glaubten, mit den Verbenen ein sicheres Mittel gegen Sturm und Hagelschlag zu besitzen. Sie benutzten die Verbena beim Werfen des Loses und beim Prophezeihen, denn bezüglich der Wahrsagerei galten Verbenen immer als allen anderen Kräutern überlegen. Es verjagt alle Gespenster und Zaubereien. In den Acker gestellt, verschafft es reiche Ernte und bewahrt das Feld vor Unwetterschäden. Ausgraben muß man es nach folgender Anleitung: "Dieses Kraut muß mit einem goldenen oder silbernen Werkzeug aus der Erde gehoben werden, dann muß es liegen bleiben, bis der Morgentau darauf fällt, während welcher Zeit man es nicht verlassen darf." Kurz: es war das Kraut aller Kräuter, denn keines konnte sich so vieler Kräfte rühmen. Die Tatsache, daß es den Hexen als Zusatz zur Zubereitung ihrer Zauber- und Flugsalben diente, warf dann einen dunklen Schatten auf das sonst so angesehene Kraut.

Aus "Zauberkräuter" der Staudengärtnerei Gaissmayer