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Eberesche |
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Die Eberesche (Sorbus aucuparia) hat eine hohe ökologische Bedeutung für die Kulturlandschaft in Deutschland und
hält selbst den Schadstoffbelastungen im Erzgebirge, Harz und Fichtelgebirge stand. Sie bietet vorzügliche Nahrungs-,
Nist- und Ruheplätze für Vögel. Die scharlachroten, vitaminreichen Beeren mit ihrem herbsauren Geschmack eignen
sich gut für Kompott sowie Gelee, und durch ihre harntreibende und abführende Wirkung werden sie zudem als
Heilmittel verwandt. Der Baum ist unserem Gott Thor geweiht, welcher sich aus einem reißenden Fluß rettete, indem er
den Zweig der Eberesche erfaßte. Darum heißt der Baum auch Thorsbjork (Thors Bergung). Der Fluß entspricht dem
Blutfluß, welcher durch den Saft der Eberesche gestillt wird, die roten Beeren Feuer und Blitz, die gefiederten Blätter
den Wolken. Die Beeren schützen das Haus vor Blitzschlag, der Baum wehrt böse Geister ab, die Kronspitzen gelten
als Kohlgericht von Hexen zu Mittwinter. Prähistorische Funde sind Zeugen des hohen Alters des Vogelbeerbaums. In
einem bronzezeitlichen Grab in Seeland fand man, in einem Bronzegefäß verschlossen, neben Tierknochen der
verschiedensten Art auch Reste eines Ebereschenzweiges, dem man vermutlich zauberabwehrende Kräfte zusprach.
Um böse Geister abzuwehren, besteckte man auch am Abend der Walpurgisnacht die Stalltüren mit
Vogelbeerzweigen. Beerentragende Zweige wurden im südlichen Böhmen an die Fenster und auf die Dächer gesteckt,
um die Häuser vor Blitzschlag zu bewahren. Aber auch als Sinnbild der Wuchsfreudigkeit, Kraft und
Widerstandsfähigkeit lebte der Vogelbeerbaum in Sage und Volksglauben noch bis zum vorigen Jahrhundert. Trotz des
hohen Gehaltes an Gerbstoffen, Bitterstoffen und Säure wurde der Vogelbeerbaum, der erst ab dem 16.Jh. als
Eberesche bekannt ist, in frühesten Zeiten den verschiedensten Verwendungsmöglichkeiten nutzbar gemacht, so daß
ihr Anbau besonders von Karl dem Großen gefördert wurde. Sie diente in der Volksmedizin als Heilmittel gegen
Lungenkrankheiten, Verstopfung und Skorbut. Heute können wir der wilden Eberesche keinen Geschmack mehr
abgewinnen. Doch einem Zufall haben wir es zu verdanken, daß 1890 ein paar Hirtenknaben auf einem Felde die
Feststellung machten, daß die Beeren eines Vogelbeerbaumes viel süßer schmeckten, als die aller anderen Bäume auf
der Anhöhe. Und so begann die erfolgreiche Züchtung der Edeleberesche. Die Früchte werrden im September kurz vor
der Vollreife geerntet, weil zu dieser Zeit der Vitamin-C-Gehalt am höchsten ist. Um Wertstoffverluste zu vermeiden,
werden sie so schnell wie möglich verarbeitet. Ihr etwas eigenartiges herbes Aroma verleitet zunächst nicht zum
Frischgenuß. Man wird sich jedoch bald daran gewöhnen, sollte bei der Zubereitung ab und zu einige Beeren naschen
und vor allem Kinder nicht davon abhalten, wenn sie bittend ihre Hände nach den korallenroten Früchten ausstrecken.
Und hier noch ein paar Rezepte...
Ebereschenmuttersaft
Man gewinnt den Saft mit Hilfe des Dampfentsafters oder einer Fruchtpresse; die Früchte sind in beiden Fällen vorher
zu zerkleinern. Der im Dampfentsafter gewonnene Saft wird heiß auf Flaschen gefüllt und verschlossen. Der durch
Pressen erhaltene Muttersaft muß nach dem Einfüllen noch pasteurisiert werden (20 min bei 75°C ).
Ebereschensüßmost
1l Ebereschenmuttersaft wird mit einer Zuckerlösung aus 2l Wasser und 300g Zucker ver- mischt, auf Flaschen gefüllt
und pasteurisiert.
Ebereschenpunsch für kalte Tage
¼l Ebereschen-Süßmost erhitzt man mit 125ml Wasser, gibt dazu etwas Zimt, eine Nelke und Zucker oder Honig nach
Geschmack und legt beim Servieren eine Orangenscheibe obenauf.
Ebereschenkompott nach Art der Preiselbeeren
1 kg vorbereitete Ebereschenfrüchte werden mit so wenig Wasser, daß gerade der Topfboden bedeckt ist, weich
gedünstet, wobei man darauf achtet, daß die Früchte nicht platzen. Dann gibt man 600g Zucker zu und läßt nochmals
kurz aufkochen. Will man sie für den Winter haltbar machen, füllt man anschließend heiß in Gläser und verschließt mit
Vakuum.
Ebereschen-Milch-Kaltschale
Je Person gibt man 2 bis 3 Eßlöffel Ebereschenkompott auf einen tiefen Teller und füllt mit ¼l Milch auf. Man überstreut
mit Flocken oder Weizenkeimen oder ißt dazu Knäcke- oder Vollkornbrot.
Ebereschen-Apfel-Marmelade
Eine sehr gute Mehrfruchtmarmelade erhält man, wenn man zu gleichen Teilen Ebereschen-mark und Mus unreifer
Äpfel verwendet und auf 1 kg dieser Mischung 750g Zucker zusetzt.