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Blutwurz

auch Potentilla erecta, Fünffingerkraut, Herztrösterli, Tormentill, Teufelsabbiß

Teufelsabbiß nannte man diese Pflanze, weil es hieß, der Teufel beiße alle sieben Jahre die Wurzel ab. Tatsächlich sieht die Wurzel, die auch als Alraune geschnitzt wurde, wie abgebissen aus. Als Signaturpflanze wurde sie auf Grund ihres rot anlaufenden Wurzelstockes "Blutwurz" genannt und gegen Blutungen, Durchfall, Ruhr angewandt. Der Name Tormentill schließlich ist von tormentum = Qual abgeleitet, womit das Bauchgrimmen, die Kolik gemeint ist - heute ist es als "Tormentilla officinalis" im Arzneibuch registriert.

Es war ein hervorragendes Mittel gegen Furcht, neidischen Blick und böse Dämonen. In dem begehrten, aber auch gefürchteten Zauberbuch "Sechstes und siebtes Buch Moses" ist folgendes Rezept enthalten:" Wenn ein Stück Vieh verhext ist, so brenne man Fünffingerkraut, schwarzen Kümmel, Totenbein und Holz, das vom fließenden Wasser ausgeworfen ist, zu Pulver, und gebe davon einem Pferde in Essig zwei Lot, einem Rind ein Lot."

Wir fanden verschiedene ‘magische Tage’ benannt, die Einfluß auf die Wirkung der Pflanze hatten: Wer am Johannistag (24.06.) - vor Sonnenaufgang - die Pflanze sammelte und bei sich trug, der hatte Glück, insbesondere in der Liebe. Tormentill gehört zu den "Donnersteagskräutern", war also einst schon Thor zugestellt.

Im Christentum wurde es dann am Himmelfahrtstag (einem Donnerstag) am frühen Morgen gesammelt und zusammen mit Benediktenkraut, das ihm zum Verwechseln ähnlich ist, dem Vieh in den Stall gebracht.

Heilanzeigen: Akute Durchfallerkrankungen, Spülungen bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Prothesendruckstellen. Ferner äußerlich zu Umschlägen und Teilbädern bei schlecht heilenden Wunden, leichteren Verbrennungen (auch Sonnenbrand) und Erfrierungen.

Zubereitung/Anwendung: Innerlich als Pulver: 3x täglich 1 gestrichen vollen Teelöffel, in ½ Glas herbem Rotwein oder bitterem Schwarztee verrührt oder als Abkochung: 2 Eßlöffel voll gepulverter Droge werden mit ½ Liter Wasser höchstens 10 min gekocht. Nach Wegnahme vom Herd können noch 2 Teelöffel voll Kamillenblüten in die heiße Abkochung eingerührt werden. Man läßt bedeckt 10 min ziehen, seiht ab und trinkt - über den Tag verteilt - 3-4 assen, mit Traubenzucker und etwas Kochsalz versetzt. Bei empfindlichen Patienten können Magenreizung und Erbrechen auftreten. Zur äußerlichen Anwendung eignet sich die in gleicher Weise bereitete, selbstverständlich ungesüßte und salzfreie Abkochung.

Aus "Zauberkräuter" von der Staudengärtnerei Dieter Gaissmayer