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Alraune

Diese Pflanze war einst fast die berühmteste des Altertums, wurde wie heutzutage das Morphium gebraucht, war aber noch mehr als Zaubermittel berühmt, zu welchem Zwecke man künstliche Alraunen machte und andere Wurzeln dafür ausgab. Jetzt sind noch die Blätter, die Wurzel und Früchte (Schlafäpfel) als Fol., Herb., Cortex radicum und Fructus Mandragorae gebräuchlich. Ich führe sie nur der Merkwürdigkeit wegen auf, weil síe in den Köpfen abergläubischer Leute noch immer als ein wichtiges Heilmittel gilt, denn bei uns ist sie nicht offizinell und kaum irgendwo zu haben. Man kann sie wie die Belladonna ziehen, muß aber die Pflanze im Winter mit Laub bedecken.

Aus "Der Apothekergarten" von Jäger
Reprint von 1913


Verwendung: Verwendet wurde der Aufguß aus der zerkleinerten Wurzel. ¼ bis ½ TL (gestrichen) ist eine wirksame und noch sichere Dosis. Die Alraune war auch Bestandteil der Hexensalben, die durch das Auskochen verschiedener Pflanzen in Schweineschmalz hergestellt wurden.
Wirkungen: Halluzinationen, gefolgt von totenähnlicher Trance und Schlaf. Die narkotische Wirkung steht aufgrund des Mandragoringehalts und des im Verhältnis zu anderen Alkaloiden relativ hohen Scopolamingehalts im Vergleich zur Tollkirsche stärker im Vordergrund. Im halbnarkotischen Zustand kann es zu sexueller Enthemmung kommen. Kleine Dosen bewirken einen schlafähnlichen Trancezustand mit luziden Träumen.
Nebenwirkungen: Nachtschattenalkaloide sind in ihrer Wirkung auf den Organismus des Einzelnen nicht vorhersagbar. Dosierungen, die von einer Person gut vertragen werden, können bei anderen zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. Allgemein häufige Neben- und Nachwirkungen von Nachtschattendrogen sind: Übelkeit, Brechreiz, unangenehm übersteigertes Tastgefühl, verminderte Sehschärfe durch Pupillenerweiterung, Mundtrockenheit. Der deutliche Anstieg des Herzschlags kann bei Menschen mit vorgeschädigtem Herzen (Verengung des Herzkranzgefäßes, Angina pectoris, Herzinfarkt) zu Problemen führen. Solche Personen sollten Nachtschattengifte unbedingt meiden. Bei der wiederholten Anwendung innerhalb kurzer Zeiträume können bereits geringe, sonst harmlose Mengen zu einem voll ausgeprägten Rauschzustand führen. Im Mittelalter wurde von Kräuterkundigen behauptet, daß der andauernde Gebrauch von Alraune, Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel zu Geistesschwäche führt. Durch die erheblichen Nebenwirkungen dürfte es aber auch kaum zum gewohnheitsmäßigen Gebrauch dieser Pflanzen kommen.

Aus "Psychoaktiven Pflanzen" von Schuldes