Hünenbett Riesengrab
Nachdem
sich Ackerbau und Viehzucht gegenüber der in der Steinzeit sonst betriebenen Jagd- und
Sammelwirtschaft in der Norddeutschen Tiefebene immer stärker durchsetzten, begannen im
Verlaufe des 4. Jt. v.u.Z. die hier siedelnden Bauerngemeinschaften auch für die heutige
Zeit noch beeindruckende Grabmonumente aus großen Findlingsblöcken zu errichten. Diese
Großsteingräber, aus dem Griechischen abgeleitet auch als Megalithgräber bezeichnet,
waren kollektive Begräbnisstätten jeweils einer Siedler- oder Dorfgemeinschaft. Wie wir
heute wissen, wurden jedoch nicht die Körper der Verstorbenen hier beigesetzt, sondern
nur die Gebeine zusammen mit den Resten der ursprünglichen Grablege. Oftmals wurden die
Großsteingräber selbst oder ihre unmittelbare Umgebung noch viele hundert Jahre später
als heilig gehaltene Orte auch für Bestattungen nach völlig anderen
Glaubensvorstellungen genutzt.
Für
viele Großsteingräber gibt es Sagen, in denen zur Erklärung ihrer Entstehung ein Riese
oder gar der Teufel hatte herhalten müssen, denn Menschen traute man bis zu Beginn der
modernen Urgeschichtsforschung solch monumentale Bauwerke nicht zu. Noch 1660 vertrat der
niederländische Historiker John Picardt die Auffassung, daß es sich um Gräber von
Hünen, welche aus den nordischen Ländern kämen, handeln müsse.
Von diesen Hünen leitet sich auch die gebräuchliche Bezeichnung langgestreckter, mit
Steinen umstellter Grabhügel als Hünenbetten ab. So ist es denn auch kaum verwunderlich,
daß auch unter diesem außergewöhnlich prachtvollen Hünenbett, mit eingebauter
Grabkammer, der Sage nach ein furchtbarer Riese begraben sein soll:
"... Vor vielen, vielen Jahren lebte in der Gegend bei Naschendorf zwischen
Sternkrug und Hungerstorf ein Riese mit seiner Frau. Er fügte den dortigen Bewohnern
großen Schaden zu, in dem er ihnen das Vieh stahl und das Korn zertrat. Da die Leute den
Riesen oft schlafend auf dem Felde gefunden hatten, beschlossen sie, ihn lebendig zu
begraben. Späher sollten nun den Riesen beobachten und melden, wenn sie ihn einmal
schlafend fänden. Die Gelegenheit ergab sich bald. Die Leute eilten mit Spaten, Hacken
und Schaufeln herbei und gruben neben dem schlafenden Riesen ein tiefes Grab. Er wurde
hineingewälzt und mit Erde zugedeckt. Als die Riesenfrau hörte, daß ihr Mann tot sei,
kam sie jammernd herzu und begann in ihrer Schürze große Steinblöcke herbeizuschleppen,
die sie um das Grab aufhäufelte. Noch an dem selben Tage erwachte aber der Riese und
machte sich durch ein paar Bewegungen von der Erde frei. So trieb er sein gewohntes Leben
weiter, ja er machte es noch ärger als sonst. Da versuchten es die Leute noch einmal mit
einer noch viel tieferen Grube. Außerdem deckten sie oben das Grab mit den Steinen zu,
welche des Riesen Weib schon herbei geschleppt hatte. Nun konnte sich der Riese nicht
wieder frei machen und mußte ersticken. Seit der Zeit hat man auch die Riesenfrau nicht
wieder gesehen."
Nicht
weit von diesem "Riesengrab" entfernt, befindet sich auch der
"Riesenbackofen". Ein großer Steindeckel liegt auf zwei behauenen Steinen. Hier
soll der Riese Brot gebacken haben.
Dieses mit 50 übermannsgroßen Blöcken eingefaßte Hünenbett ist 40 m lang und 10 m
breit; die Zwischenräume zwischen den Steinen der Einfassung sind mit zum großen Teil
noch heute vorhandenem Trockenmauerwerk aus Sandsteinplatten geschlossen. Das Bett
umschließt eine aus 5 Jochen bestehende 7,20 m lange, bis 1,60 m hohe Grabkammer, die
heute offenliegt, bei ihrer Erbauung jedoch vollständig abgedeckt gewesen zu sein schien.
Der Zugang erfolgte durch einen an der Südostseite des Hünenbettes mündenden, etwas
niedrigeren Gang mit ursprünglich drei Deckplatten, der durch zwei große
Rotsandsteinplatten verschlossen werden konnte. Erbaut wurde diese Anlage von Trägern der
sogenannten Trichterbecherkultur, Nachbestattungen in der Grabkammer stammten auch von der
deutlich jüngeren Kugelamphorenkultur und der endneolithischen Einzelgrabkultur.
Landkreis Nordwestmecklenburg