Fiölsvinsmal
Das Lied von Fiölswinn

Vor der Veste sah er den Fremdling nahn,
Den Riesensitz ersteigen.

Wächter (Fiölswinn):
Welch Ungetüm ist's, das vor dem Eingang steht,
Die Waberlohe umwandelnd?

Wes verlangt dich hier, was erlauerst du?
Was willst du. Freudenloser, wissen?
Auf feuchten Wegen hebe dich weg von hier,
Hier ist deines Bleibens nicht, Bettler!

Fremdling:
Welch Ungetüm ist's, das vor dem Eingang steht,
Und weigert dem Wanderer Gastrecht?
Gönnst du nicht Gruß und Wort, so bist du gar nichts wert:
Hebe dich heim von hinnen.

Fiölswinn:
Fiölswinn heiß ich und habe klugen Sinn,
Bin meines Mahls nicht milde.
Zu diesen Mauern magst du nicht eingehn:
Rechtloser, hebe dich hinnen.

Fremdling:
Von Augenweide wendet sich ungern
Wer Liebes sucht und Süßes.
Die Gürtung scheint zu glühen um goldne Säle:
Hier möcht ich Frieden finden.

Fiölswinn:
Welcher Eltern Kind bist du, Knabe, geboren;
Welchem Stamm entstiegen?
Fremdling:
Windkald heiß ich, Warkald hieß mein Vater,
Des Vater war Fiölkald.

Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wer schaltet hier das Reich besitzend
Mit Gut und milder Gabe?

Fiölswinn:
Menglada heißt sie, die Mutter zeugte sie
Mit Swaf, Thorins Sohne.
Die schaltet hier das Reich besitzend
Mit Gut und milder Gabe.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt das Gitter? Nie sahn bei den Göttern
So üble List die Leute.

Fiölswinn:
Thrymgialla (Donnerschall) heißt es, das haben drei
Söhne Solblindis gemacht.
Die Fessel faßt jeden Fahrenden,
Der es hinweg will heben.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt die Gürtung? Nie sahn bei den Göttern
So üble List die Leute.

Fiölswinn:
Gastropner heißt sie, ich habe sie selber
Aus des Lehmriesen Gliedern erbaut
Und so stark gestützt, daß sie stehen wird
So lange Leute leben.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißen die Hunde? Ich hatte so grimmige
Lange nicht im Land gesehen.

Fiölswinn:
Gif heißt einer und Geri der andre,
Weil du's zu wissen wünschest.
Elf Wachten müssen sie wachen
Bis die Götter vergehen.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Ob einer der Menschen eingehn möge
Dieweil die Schnaufenden schlafen.

Fiölswinn:
Abwechselnd zu schlafen war ihnen auferlegt
Seit sie hier Wächter wurden:
Einer schläft tags, der andre nachts,
Und so mag niemand hinein.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Gibt es keine Kost, sie kirre zu machen
Und einzugehn, weil sie essen?

Fiölswinn:
Zwei Flügel siehst du an Windofnirs Seiten,
Weil du's zu wissen wünschest.
Das ist die Kost, sie kirre zu machen
Und einzugehn, weil sie essen.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt der Baum, der die Zweige breitet
Über alle Lande?

Fiölswinn:
Mimameid heißt er, Menschen wissen selten
Aus welcher Wurzel er wächst.
Niemand erfährt auch wie er zu fällen ist,
Da Schwert noch Feur ihm schadet.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Welchen Nutzen bringt der weltkunde Baum,
Da Feur noch Schwert ihm schadet?

Fiölswinn:
Mit seinen Früchten soll man feuern,
Wenn Weiber nicht wollen gebären.
Aus ihnen geht dann was innen bliebe:
So wird er der Leute Lebensbaum.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt der Hahn auf dem hohen Baum,
Der ganz von Golde glänzt?

Fiölswinn:
Windofnir heißt er, der im Winde leuchtet
Auf Mimameidis Zweigen.
Beschwerden schafft er, und schwerlich raubt
Den Schwarzen wer sich zur Speise.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Ist keine Waffe, die Windofnir möchte
Zu Hels Behausung senden?

Fiölswinn:
Häwatein heißt der Zweig, Lopt hat ihn gebrochen
Vor dem Totentor.
In eisernem Schrein birgt ihn Sinmara
Unter neun schweren Schlössern.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Mag lebend kehren, der nach ihm verlangt
Und will die Rute rauben?

Fiölswinn:
Lebend mag kehren, der nach ihm verlangt
Und will die Rute rauben,
Wenn das er schenkt was wenige besitzen,
Der Dise des leuchtenden Lehms.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Gibt's einen Hort, den man haben mag,
Der die fahle Vettel freut?

Fiölswinn:
Die blinkende Sichel birg im Gewand,
Die in Windofnirs Schweife sitzt,
Gib sie Sinmara, so wird sie gerne
Die blutige Rute dir borgen.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt der Saal, der umschlungen ist
Weise mit Waberlohe?

Fiölswinn:
Glut wird er genannt, der weifend sich dreht
Wie auf des Schwertes Spitze.
Von dem seligen Hause soll man immerdar
Nur von Hörensagen hören.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wer hat gebildet, was vor der Brüstung ist
Unter den Asensöhnen?

Fiölswinn:
Uni und In, Bari und Ori,
Warr und Wegdrasil,
Dori und Uri, Delling und Atward,
Lidskialf und Loki.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt der Berg, wo ich die Braut,
Die wunderschöne, schaue?

Fiölswinn:
Hyfiaberg heißt er, Heilung und Trost
Nun lange der Lahmen und Siechen.
Gesund ward jede, wie verjährt war das Übel,
Die den Steilen erstieg.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißen die Mädchen, die vor Mengladas Knien
Einig beisammen sitzen?

Fiölswinn:
Hlif heißt eine, die andere Hlifthursa,
Die dritte Dietwarta,
Biört und Blid, Blidur und Frid,
Eir und Örboda.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Schirmen sie alle, die ihnen opfern,
Wenn sie des bedürfen?

Fiölswinn:
Jeglichen Sommer, so ihnen geschlachtet
Wird an geweihtem Orte,
Welche Krankheit überkommt die Menschenkinder,
Jeden nehmen sie aus Nöten.

Windkald:
Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Mag ein Mann wohl in Mengladas
Sanften Armen schlafen?

Fiölswinn:
Kein Mann mag in Mengladas
Sanften Armen schlafen,
Swipdag allein: die sonnenglänzende
Ist ihm verlobt seit langem.

Windkald:
Auf reiß die Türe, schaff weiten Raum,
Hier magst du Swipdag schauen.
Doch frage zuvor ob noch erfreut
Mengladen meine Minne.

Fiölswinn:
Höre, Menglada! Ein Mann ist gekommen:
Geh und beschaue den Gast.
Die Hunde freuen sich, das Haus erschloß sich selbst,
Ich denke, Swipdag sei's.

Menglada:
Glänzende Raben am hohen Galgen
Hacken dir die Augen aus,
Wenn du das lügst, daß der Verlangte endlich
Zu meiner Halle heimkehrt.

Von wannen kommst du? Wo warst du bisher?
Wie hieß man dich daheim?
Nenne genau Namen und Geschlecht,
Bin ich als Braut dir verbunden.

Swipdag:
Swipdag heiß ich, Solbiart hieß mein Vater,
Her führten mich windkalte Wege.
Urdas Ausspruch ändert niemand,
Ob er unverdient auch träfe.

Menglada:
Willkommen seist du, mein Wunsch erfüllt sich,
Den Gruß begleite der Kuß.
Unversehenes Schauen beseligt doppelt
Wo rechte Liebe verlangt.

Lange saß ich auf liebem Berge
Dich erharrend Tag um Tag;
Nun geschieht was ich hoffte, da du heimgekehrt bist,
Süßer Freund, in meinen Saal.

Swipdag:
Sehnlich Verlangen hatt ich nach deiner Liebe
Und du nach meiner Minne.
Nun ist gewiß, wir beide werden
Miteinander ewig leben.


Unser Dank gilt Dungeon Keeper für den zugesanden Text.


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